Junge Autoren bringen Hörbuch heraus
Bericht aus der Stendaler Volksstimme vom 21.10.2011
Schreibzirkel „Es wird..." vertont seine Texte auf einer CD mit einem dazugehörigen Buch
Bild: Stendaler Volksstimme
Gerangel um das Buch „Wir in unseren Welten"? Nicht im Schreibzirkel des Winckelmann-Gymnasiums. Hier arbeiten alle zusammen an einer Ausgabe und unterstützen sich gegenseitig beim Schreiben.
Foto: Susanne Moritz

Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes schreibwütig. Die Teilnehmer des Schreibzirkels von Albrecht Franke. Ihr nächstes Projekt: Eine CD mit ihren Texten, bei der auch die Band Nowbody Knows ihre Finger im Spiel hat.
Von Sibylle Sperling
Stendal „Betrachte den Himmel; Wolken, die wirken, als hätte sie jemand aufs Blau gemalt..." Es ist still im Klassenzimmer. Acht Schüler sitzen im Kreis und lauschen dem Gedicht der 22-jährigen Juliane. „Als Sechstklässler kann ich mit dem Gedicht nichts anfangen", meldet sich ein Schüler knallhart zu Wort. „Ich habe das Gedicht nicht ganz verstanden", gibt ein anderer schüchtern zu.
Ganz wichtig: Es geht nicht um Perfektion
Albrecht Franke; Lehrer, Autor und Leiter des Schreibzirkels im Winckelmann-Gymnasium, fordert Juliane auf, ihr Gedicht nochmal vorzulesen. Seit fünf Jahren ist sie im Schreibzirkel, obwohl der Schule längst entwachsen. Sie studiert in Dessau Design. Doch den Kurs will sie sich nicht entgehen lassen. „Ich komme meist am Wochenende nach Hause und komme extra hieher. Ich bekomme Feedback auf meine Texte. Manchmal fehlt mir ein Titel. Oder es klingt noch nicht stimmig", erklärt sie.
Einmal die Woche versammelt Franke sich mit Fünft- bis Zwölftklässlern im Schreibzirkel „Es wird...". Zuhause werden Texte geschrieben, ganz egal, ob Erzählung oder Gedicht, ganz gleich, ob vollendet, unvollendet oder holprig. Es geht nicht um Perfektion.
Sich austauschen und Anregungen geben
„Wenn du was mit dem Gedicht von Juliane anfangen kannst", wendet sich Franke an den Sechstklässler, „dann haben wir etwas geschafft." Denn Franke will sich gemeinsam mit den Schülern austauschen, über die Texte diskutieren und Anregungen geben. Auch die Schüler sollen ihre Ideen einbringen. Gerade die Anregungen der Kleinen sind für Juliane wichtig, „die haben einen süßen und naiven Blick und ganz andere Ansätze", schmunzelt sie.
Die Zusammenarbeit zwischen den Großen und Kleinen ist ganz natürlich und selbstverständlich, lobt Franke seine Seminarteilnehmer und ist stolz auf seine lockere und ungezwungene Atmosphäre: „Wir sind hier in der Schule, aber wir machen keine Schule", fügt er an.
Unzählige Texte sind in den letzten Jahren entstanden, drei Bücher hat der Schreibzirkel bisher veröffentlicht. Das Letzte ist pünktlich zu den Landesliteraturtagen am 22. September erschienen.
 
„Wir in unseren Welten" heißt es. Sein nächstes Projekt ist bereits in Planung. „Ich wollte mal was anderes machen als ein Buch. Nun sammeln wir unsere Texte für eine gemeinsame CD", verrät Franke.
Eine CD mit der Band Nowbody Knows
Das Besondere an der CD: Die Band Nowbody Knows sitzt mit im Boot. „Noch ist nicht ganz klar, in welcher Form die Band auf der CD in Erscheinung treten wird. Ob sie die Hintergrundmusik beisteuern oder unsere Texte vertonen. Mal sehen, was die Bandmitglieder vorhaben", freut sich Franke auf die Arbeit mit den Musikern.
Und: 300 Exemplare werden dem Sehbehindertenverband des Landkreises geschenkt und auch extra für ihn produziert. Pünktlich zur Leipziger Buchmesse im März soll die CD sowie ein dazugehöriges Buch fertig sein. Franke ist sehr erleichtert darüber, schließlich stand das Projekt fast auf der Kippe, für die Landesfördermittel gab es kein grünes Licht. Umso glücklicher ist er, dass der Block-Verlag und der Freundeskreis des Gymnasiums das Projekt unterstützen.
Franke liebt die Zusammenarbeit mit den jungen Menschen. „Das hält mich jung. Und ich erfahre, was die Jugend denkt." Juliane liest ihr Gedicht wieder und wieder. „An einer Stelle rumpelt es", ist der Hinweis des erfahrenen Autors Franke, „Kürze einfach. Manchmal reicht ein Wort.“
 
Gedicht
Gingest du fort
Würd ich nicht weinen
Mich winden und schreien
Nicht weinen
Würd ich nicht wachen
Über unsre Bilder lachen
Nicht wachen
Würd ich was vermissen
Dein Geruch im Kissen
Ich würd dich vermissen
Von Beatrice Buchholz
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